Jana Schulz


Bericht von Jana Schulz,
Praktikantin an der Nossob Primary School September bis November 2010

"Ein Schiff, das im Hafen liegt, ist sicher. Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut." (engl. Sprichwort) 

"Auch für mich wäre es wohl sicherer und sicherlich einfacher gewesen Zuhause zu bleiben, aber hätte ich dann auch drei wirklich aufregende Monate verpasst.
Rückblickend wirken schöne Erlebnisse und Momente meist noch schöner und weniger Schöne treten mehr und mehr in den Hintergrund. Denke ich an meine Zeit in Namibia zurück, denke ich nicht als Erstes an die anstrengenden Schulstunden, die Armut der Bevölkerung, oder die Schicksale einzelner Kinder. Ich denke vor allem an die singenden, tanzenden, Freude strahlenden Kinder zurück, die mich mit selbst geschriebenen Briefchen und gemalten Bildern überraschten. Ich erinnere mich an die strahlenden Kinderaugen, wenn man ihnen Aufmerksam schenkte, mit ihnen spielte oder ihnen einfach nur beim Spielen zuschaute. Ich denke an all die spannenden, zu Beginn noch fremd erscheinenden und plötzlich doch ganz gewöhnlichen Erlebnisse zurück: Auto fahren auf kleinster Ladefläche mit unvorstellbar vielen Menschen, mit den Fingern essen, Knochen knabbern, das sog. Braai- Grillen auf namibische Art und Weise-, nette und lustige Unterhaltungen unter Kollegen und einfach das Gefühl nett aufgenommen worden zu sein. Im Hafen geblieben hätte ich all die Begegnungen mit Menschen verpasst, die, obwohl sie sich mein Leben wohl kaum vorstellen konnte, dennoch interessiert fragten und mir genauso gerne von ihrem erzählten und oft auch erklären mussten.  

Erst nach all diesen schönen Gedanken denke ich auch an das, was mich zu bestimmten Zeiten traurig stimmte, mich wütend machte oder zumindest zum Nachdenken bewegte. Zweifellos kam ich in einer mir völlig fremden Welt an. Denn eigentlich ist dort wirklich alles anders, als ich es von Zuhause kannte. Ohne selber da gewesen zu sein, kann man es sich wohl auch nach gründlichster Vorbereitung kaum vorstellen. Das Gefühl selbst viel zu privilegiert zu sein begleitete mich durch die gesamte Zeit- in einigen Situationen mehr, in anderen weniger. Mit meiner Hautfarbe stand ich wohl öfter als mir vielleicht lieb war im Rampenlicht und ab und zu hätte ich mir gewünscht nicht aus einer ganz anderen, in vielen namibischen Augen, "besseren", beneidenswerteren Welt zu kommen. 

Auch das Unterrichten hatte ich mir im Vorfeld irgendwie einfacher vorgestellt. Fehlende Konzentration, fehlendes Schreibmaterial, Kinder, die in der 5. Klasse weder lesen noch schreiben können und häufig auch fehlende Motivation, machten jeden Schultag zu einer neuen Herausforderung. Nach und nach gewöhnte ich mich jedoch auch an diese Umstände und lernte mit ihnen umzugehen und irgendwie und mit viel Improvisation doch noch das Beste daraus zu machen. So sehr man sich wünscht, am Liebsten alles zu verbessern, muss man sich als Praktikantin wohl auch seine Grenzen eingestehen und einsehen, dass man den Schulalltag wohl nicht komplett, aber vielleicht ja für einige Schüler/innen ein wenig zum Positiven verändern kann. 
Alles in allem blicke ich auf drei aufregende und in der Tat unvergleichliche Monate zurück. Eine Zeit, in der ich teilweise traurig, aber überwiegend fröhlich war und die ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann. 
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Jana Schulz